Interview mit der Tettauer Malerin Helga Depping, im Dezember 2015 (by monkifrieda)

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F.: „In der Wüste“ scheint stilistisch sehr verschieden von den anderen neuen Bildern zu sein, jedenfalls auf den ersten Blick…

"In der Wüste"
„In der Wüste“ by Helga Depping, Acryl auf Pressspan, 2015, 80 x 80 cm

H.D.: Die Malweise mag anders sein. Das Erleben ist gleich. Sehen was ist.

F.: Es gibt ja die Geschichte von Jesus in der Wüste. Ein letzter Rückzug vor der Erleuchtung, eine schwere Prüfung… Jeder, der in diese Wüste geht, ist anders. Er geht mit seinem inneren Müll dorthin oder auch mit viel Wissen. Manchmal ist es auch eine Flucht. Wie entstand dieses sehr helle, fast weiß wirkende Bild?

H.D.: Das Weiß hat mich herausgefordert. Weiß ringt immer um Klarheit, gedanklich, geistig, emotional. Doch es gibt auch die Begrenzung durch Beschaffenheit, durch den Ist-Zustand eines Bewusstseins.

F.: Im Wüstenlicht sieht dieses abgemagerte „Hundewesen“ besonders bedürftig aus…

H.D.: Ja… Manche sagen, es sieht aus, als hätte es ein Kind gemalt. Ich glaube, ein Kind würde anders malen. Das hier ist gnadenloser (lacht).

F.: Apropos Gnade. Da möchte ich auf ein anderes Bild zu sprechen kommen: „Joh. 3: 7-8“. Dieses Bild, das ja auch eine Ikone ist, berührt nicht zuletzt auch das Mysterium der Gnade, die jedem zuteil wird, der offen dafür ist.

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„Joh. 3: 7-8“ by Helga Depping, Acryl mit Blattgold auf Pressspan, 2015, 80 x 80 cm

Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Geist (Wind) weht, wo er will, und du hörst seine Stimme, aber du nimmst nicht wahr, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren worden ist.“ Joh.3: 7-8

You must be born again. The wind blows where it wishes, and you hear its sound, but you do not know where it comes from or where it goes. So it is with everyone who is born of the Spirit.“ John 3: 7-8

F.: Das Bild enthält – wie neuerdings öfter – die Farbe Gold, wie es auch in der traditionellen Ikonenmalerei üblich ist. 

H.D.: Ja. Gold übertrifft durch seine Andersartigkeit alle anderen Farben, aber in gleichem Maße wertet es die Farben auch auf und beeinflusst diese. In der traditionellen Ikonenmalerei wird Gold benutzt, weil es sehr stark mit dem Göttlichen assoziiert wird. Traditionelle Ikonen bleiben jedoch im Gegenständlichen, während sich bei mir Vieles ins Abstrakte hinein entwickelt. Ich möchte immer noch mehr auf den Grund streben. Ich frage mich dann: Wie kann ich noch radikaler sein? Radikal im Sinne von „an die Wurzel“.

F.: Wenn „Gott“ gemalt wird, enden wir dann in der Abstraktion?

H.D.: Vielleicht… und darüber hinaus. Da offenbart sich der spirituelle Aspekt der Bauhauskunst, die mich – neben Paul Klee – schon immer sehr beeinflusst hat. Farbe herrscht vor, Perspektive tritt zurück. Und wir haben diese magische Teilbarkeit in Quadranten, Linien, Segmente…

F.: Ist Bauhaus spirituell?

H.D.: Das wurde meines Wissens nie so laut gesagt. Als Bauhauskunst aufkam, glaubte man, etwas gefunden zu haben, das unendlich ausbaufähig ist. Doch dann stieß man irgendwann doch an Grenzen. Wenn man an Grenzen stößt und diese nicht überwinden kann, gibt es dafür immer einen offensichtlichen und doch vielfach übersehenen Grund: die Ablehnung und Verneinung des Spirituellen. Wenn das Mystische keinen Platz hat in der Kunst, stirbt diese Kunst. Sie kann nicht leben. Deshalb ist Kunst auch nicht ohne Demut möglich. Ein Künstler braucht Demut.

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